Die Hierarchie der Wertigkeit

Die Hierarchie der Wertigkeit von Subjekten, Objekten und geistigen Konstrukten nach rationalen Gesichtspunkten – Wo steht Gott in dieser Hierarchie?

Religionen schaffen Hierarchien in Hinblick auf unterschiedliche Wesenheiten wie Menschen und Tiere und mitunter vermeintliche Wesenheiten wie Engeln, hinsichtlich derer es auch vielfach Rangordnungen gibt, und dem je nach polytheistischer oder monotheistischer Religion einen oder anderen Gott, der an der  Spitze der Wertigkeit steht.

Ich gehe zunächst davon aus, dass Menschen wie jedwede andere belebte Materie ihre Welt aufgrund ihrer eigenen biologischen Anlagen subjektiv interpretieren. Für mich leiten sich in Zusammenhang mit der Wertigkeitshierarchie sämtliche nicht körperlich in Erscheinung tretende (vermeintliche) Wesenheiten aus der menschlichen Phantasie ab. In Religionen kommt es zur Kreation von Wesenheiten in Verbindung von Phantasie mit einem hierarchischen Denken von Menschen. Eine einfache Legitimation für Autoritäten in menschlichen hierarchischen Systemen ist ein nicht leicht faßbares und daher – nur scheinbar nicht kritisierbares – Überwesen – ein Gott. Für mich als rational orientierten kritischen Menschen ist auch ein nur vermeintliches Überwesen kritisierbar – und sogar dieses im besonderen Ausmaß. Für mich weisen von Menschen erdachte Wesenheiten und Phänomene nach einer inhaltlichen Überprüfung jedenfalls einen geringeren Wert auf als tatsächliche körperliche Wesenheiten und Objekte. In Konsequenz dessen leitet sich daher eine Wertigkeit nach Stufen wie folgt ab:

1. Stufe und hiermit höchste Wertigkeit: Belebte Materie. In der Natur ist die Belebtheit von Materie eine besondere Ausnahmeerscheinung, die bislang nur auf der Erde nachgewiesen werden konnte. Mir erscheint das Leben von jeder Lebensform daher a priori wertvoll. Ich möchte auch keine Hierarchie zwischen den unterschiedlichen Lebensformen wie Menschen, Tiere  oder Pflanzen vornehmen, vor allem deshalb, weil jede Lebensform eine zufällige Erscheinungsform des Seins ist, die sich nicht irgendwie ihre jeweilige biologische Gestalt verdient oder ausgesucht hat.

2. Stufe der Wertigkeit: Unbelebte Materie und Energie im weiteren Sinn. Sämtliche Erscheinungsformen des Seins haben einen Wert, einfach aus dem Grund, dass sie da sind. Ich bringe Beispiele: Wasser, Luft, Licht, Erde. Ohne die unbelebte Materie ist Leben außerdem nicht möglich.

3. Stufe der Wertigkeit: Konstrukte der menschlichen Phantasie ohne Annahme der realen Existenz. Menschen sind phantasiebagabte Wesen und erschaffen vor allem in Büchern Existenzen, die nicht real sind, die aber von Interesse sein können, etwa indem sie viele Menschen unterhalten. Ich denke hier beispielhaft an Figuren wie Asterix, Donald Duck, Superman, Hulk oder Frodo Beutlin. Als Kulturgüter haben diese und ähnliche erdachte Figuren einen Wert, jedoch als bloße Phantasieprodukte von Menschen  einen geringeren Wert als alles Materielle.

4. Stufe der Wertigkeit: Konstrukte der menschlichen Phantasie mit teilweise vertrtetener Annahme der realen Existenz. Hier sind von Menschen erdachte Figuren anzuführen hinsichtlich derer einige Menschen annehmen, dass sie dennoch existieren. In dieser Kategorie findet ein Übergang zur fehlerhaften Interpretation der Welt statt, wenn man etwa an die Existenz von Figuren wie Kobolden, Geistern oder Gnome glaubt.

5. Stufe der Wertigkeit: Konstrukte der menschlichen Phantasie religiösen Ursprungs mit weit verbreiteter Existenzannahme. Hier denke ich an Phantasiewesen wie Engel und Dämonen sowie einen Glauben an Wunder. Diese menschlichen Konstrukte mit religiösem Bezug stehen auf einer niedereren Stufe als Konstrukte der Stufe 4, weil im religiösen Kontext die Fehlinterpretation der Wirklichkeit häufig intensiv gelebt und sogar – gefördert durch die Priesterschaft – offen zur Schau gestellt wird. Zudem sind übernatürliche Wesen, die helfen, oder Wunder, nur Ausdruck eines abzulehnenden überschießenden Egoismus der von diesen Phantasievorstellungen befallenen Menschen.

6. Stufe der Wertigkeit: Polytheistische Götter. Wenn der Mensch über dem werthaltigen Sein der Stufe 1 und 2 etwas darüberstellt, das nur seiner Wertung entspricht, so ist dies ein schwerwiegendes Vergehen gegen die Vernunft und gegen die Natur. Menschen haben in ihrer Geschichte in den unterschiedlichen Kulturen Götter millionenfach erschaffen und sie als höher bewertetet als das, was wirklich da ist. Das menschliche Werten hat jedoch nur eine Berechtigung in Hinblick auf menschliches Verhalten und menschliche Ideen, wobei zu letzteren auch die Idee von einem einzigen Gott gehört. Gänzlich inakzeptabel ist es jedoch, wenn Menschen über dem werthaltigen Sein unkörperliche Phantasiefiguren – Götter – stellen.  Sämtliche Götter, soweit man an sie glaubt, stellen nur eine krasse Fehlinterpretation der Wirklichkeit durch Menschen dar. Nicht in diese negative Kategorie fallen meines Erachtens pantheistische Gedanken, da hier durch Menschen eine hohe Bewertung von allem, was tatsächlich existiert, erfolgt, und gerade nicht die Verehrung gegenüber einer wertlosen spezifischen Phantasiefigur stattfindet.

7. Stufe der Wertigkeit und hiermit der absolute unüberbietbare Unwert: Monotheistische Götter mit Alleinstellungs- und Befolgungsanspruch. Angesichts einer Weltgeschichte und Gegenwart mit Millionen Göttern – hingewiesen sei etwa auf den polytheistischen Hinduismus mit über 330 Millionen Göttern (siehe etwa  https://www.planet-wissen.de/kultur/religion/hinduismus/index.html) – ist die Annahme von nur einem Gott, den es zudem in mehreren Kulturen in unterschiedlicher Ausformung gegeben hat und gibt, besonders krank, besonders dumm, arrogant und völlig ignorant gegenüber anderen Religionen mit anderen Göttern. Beispielhaft für die diversen monotheistischen Gottheiten seien die drei abrahamitischen Gottheiten angeführt, die sich inhaltlich sehr stark von einander unterscheiden: Der Judengott, den Menschen mit dem Tanach erschaffen haben, der Christengott, den Menschen mit der Bibel erschaffen haben, und der Muslimengott, den Menschen mit dem Koran erschaffen haben. Wenn Menschen Vernunftwesen sein wollen: Wie können sie überhaupt auf die Idee kommen, dass hinter nachweislich nur von Menschen geschriebener und in langwierigen Verfahren von Menschen ausgewählter  minderwertiger und fehlerhafter Literatur wie den zuvor angeführten drei sehr unterschiedlichen Schriften nur ein überragender Gott stehen soll? Als Beispiel für die Qualität, was in diesem Zusammenhang verehrt wird, zitiere ich aus dem Koran, Sure 4-56: „Wer da Unsere Zeichen verleugnet, den werden Wir im Feuer brennen lassen. Sooft ihre Haut gar ist, geben Wir ihnen eine andere Haut, damit sie die Strafe schmecken.“ Preisfrage: Handelt es sich bei dem angeführten jenseitigen Grillmeister um den allwissenden, allmächtigen, barmherzigen einzigen Gott oder steht dahinter eventuell nur ein Mensch mit kranken Phantasien, die er einem Gott unterschoben hat und der mit der ausgebreiteten Drohkulisse nur eine brave kritiklose Gefolgschaft für die Priesterschaft etablieren wollte? Zudem: Die Zeichen – fehlerhafte niveaulose von Menschen geschriebene Texte mit dummen Vorschriften sprechen keinesfalls für eine göttliche Miturheberschaft. Sollte sich irgendein Überwesen der Menschheit in Zukunft offenbaren möchten, so möchte ich ihm nahelegen am besten als etwa mindestens 100 Meter große Figur zu erscheinen, sodaß man klar erkennen kann, dass es sich nicht um einen Menschen sondern um etwas Andersartiges handelt. Aber auch dann möchte ich eine Frage stellen: Würden Sie dem 100 Meter großen Wesen folgen, wenn es Ihnen ab sofort ein striktes Alkoholverbot oder von mir aus auch ein striktes Verbot Torten zu essen auferlegt? Ist es nicht eher eine Angelegenheit für Menschen sich selbst Vorschriften zu geben? Sind dazu nicht eher vor allem menschliche Juristen als unkörperliche Wesen oder 100 Meter große andersartige Wesen – die zudem keine einschlägige juristische Ausbildung aufweisen dürften – in der Lage? Sind wir Menschen derart unmündige Wesen, dass wir Vorschriften wie Speise- oder Kleidungsvorschriften von andersartigen Wesen benötigen?   

Was sollte man aus dieser Hierarchie der Wertigkeit nach sachlichen und vernünftigen Gesichtspunkten für Konsequenzen ziehen? Sollte man bei Menschen, insbesondere bei zu erziehenden Kindern, nicht eher die Empathie für Mitmenschen und andere Lebenwesen und die Natur insgesamt, unsere Lebensgrundlage, somit Wertigkeiten der Stufe 1 und 2, fördern, anstatt den Glauben an Konstrukte unserer Phantasie – Götter- und somit Konstrukte mit der Wertigkeit der geringsten Stufen 6 und 7? Versteckten und verstecken sich hinter dem jeweiligen Gott nicht in Wahrheit immer nur Menschen, nämlich die Priesterschaft, und üben diese im Windschatten des nur vermeintlichen jeweiligen kulturspezischen Gottes Macht über andere Menschen aus und bereichern sich diese auch auf Kosten ihrer gutgläubigen Anhänger? Soll und darf dies ewig so weitergehen? Wenn wir schon Exkremente, die als überwiegend unbelebte Materie in die hohe Wertigkeitsstufe 2 gehören, sowie Müll, der ebenfalls in die Wertigkeitsstufe 2 fällt, entsorgen: Sollten wir dann nicht  auch – endlich – unkörperliche Phantasieprodukte aus der weit darunter liegenden Kategorie – nämlich der letztklassigen Wertigkeitsstufe 7 – im Sinne einer geistigen Reinigung gänzlich entsorgen? Dies würde etwa für den im vorigen Absatz präsentierten und zitierten Grillmeister gelten, der uns angeblich im Jenseits ewig grillen soll, bloß weil wir nicht an ihn glauben.  

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2 Responses

  1. Gudrun sagt:

    Ja, da gebe ich dir recht, dass unkörperliche Wesen nicht glaubhaft oder nicht in unserer sichtbaren Welt existieren können-wenn dann nur in geistiger Form. Darum glaube ich an eine Gottheit, die sich im realen Menschen, der real existiert, zeigt und seinen Ausdruck findet. Dieses Höhere verkörpere ICH oder bin ich selbst. Diese Phantasiewesen können ja nur geistige unkörperliche Wesen sein. Darum ist das, an was ich glaube vielleicht auch keine Gottheit im bisher verstandene Sinne? Ich glaube, dass es etwas Höheres geben muss, als das rein menschliche Wesen, dass aber dieses menschliche Wesen, der individuelle Mensch, nicht zufällig aus sich selbst heraus erschaffen wurde, sondern zu etwas viel Höheren werden-über sich selbst hinauswachsen kann, wenn er sich dieser höheren Macht anvertraut. Apropos Wertigkeit: ich bewerte schon seit Langem nichts mehr, weder Dinge, Materie oder Menschen. Diese viele Götter, die sich Menschen in ihrer Phantasie erschaffen haben, sind für diejenigen sicher real, denn alles, an was der Mensch glaubt, erschafft er sich selbst-sei es destruktiver wie konstruktiver Natur. Das stimmt! Liebe Grüße Gudrun

    • Mag. Robert Kaufmann LL.M. sagt:

      Liebe Gudrun,
      vorausschicken möchte ich für andere Leser unserer Texte, dass wir seit einem Kommentar von Dir zu meinem Beitrag “Der einzige Gott- die größte Lüge der Menschheitsgeschichte” in einem regen Austausch per e-mail stehen, wir zum Du-Wort übergangen sind, und wir sogar von uns publizierte Bücher getauscht haben. Ich lese gerade das Buch von Dir “Mensch, werde mündig!”. Ja, ich habe gesehen, dass wir viele Gemeinsamkeiten in unserem Denken aufweisen, so vor allem eine kritische Haltung zu diversen Autoritäten und Vorstellungen. Du hast Dich in diesem Sinne von einem intensiv gelebten althergebrachten Christentum, mit dem Du aufgewachsen bist, so ziemlich gelöst. Du hast Dir ein eigenes Weltbild aufgebaut, das für Dich besser ist. Du hast aber noch immer irgendeinen Gott oder eine höhere Macht, mit der Du vermeinst im Kontakt zu stehen. Schön, wenn Du Dich wohl damit fühlst.
      Wie Du weißt, gibt es für mich im Gegensatz zu Dir und vielen religiösen Menschen definitiv keine unkörperlichen Wesen und keine Götter. Nachdem ich den Tanach, die Bibel und den Koran gelesen habe, geniere ich mich eigentlich für die Menschheit, wenn sie meines Erachtens ekelhafte Konstrukte aus diesen minderwertigen Schriften als Gott betrachten und verehren. In diesem Zusammenhang habe ich etwa den islamischen “Gott” als jenseitigen Grillmeister tituliert, wenn er uns bloß wegen des Unglaubens ewig in der Hölle braten soll. Ich finde derartige Gedanken eigentlich recht peinlich. Sicher kann man, so wie Du dies tust, trotz der minderwertigen Quelltexte der abrahamitischen Religionen sich den selbst geglaubten Gott schöner denken und wie ich dies in meinem Sinne denke – positive Zuschreibungen ihm gegenüber vornehmen.
      Wenn Du schreibst, dass das Höhere ICH, nämlich Du selbst, verkörpere, dann stimme ich mit Dir überein. Ja, über mir gibt es keine höhere Autorität. Ich bin selbst mein strenger Beobachter und Richter, dies in etwa in Richtung des kategorischen Imperativ von Kant.
      Gerne bleibe ich mit Dir weiter im Austausch über e-mails und werde Dir jedenfalls eine Rückmeldung zu Deinen interessanten Büchern geben.
      Liebe Grüße
      Robert

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