Geschichte des Humanistischen Verbands Österreich

In Deutschland entstehen erste freidenkerische Vereinigungen bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

1869

1869 gründet der Theologe Michael Biron in Graz einen ersten Freidenkerverein auf österreichischem Boden. Zwei Jahre später wird er des Landes verwiesen.


1880

1880 konstituiert sich in Brüssel der Internationale Freidenkerbund; im Jahr darauf der Deutsche Freidenkerbund, an dessen Gründung auch Wilhelm Liebknecht mitwirkt.


1887

In Österreich wird am 20. Februar 1887 im Hotel Englischer Hof in Mariahilf der *Verein der Konfessionslosen* gegründet. Dieser dehnte sich unter mehrfacher Umbenennung auf weitere Gebiete Deutschösterreichs aus und stand Liberalen und Sozialdemokraten nahe. Der erste Vorsitzende Erwin Plowitz, Arzt und Schriftsteller, muss aufgrund behördlichen Drucks seine Funktion niederlegen und an Josef Langkammer 1887 übergeben.


1889

Der Etui- und Kartonagenerzeuger Gustav Häfner übernimmt den Vorsitz.


1891

Der sozialdemokratische Reichratsabgeordnete Ludwig Wutschel wird für 30 Jahre Vorsitzender des „Vereines der Konfessionslosen”.


1893

1893 in “Verein der Freidenker Nieder-Österreichs” umbenannt. Der Verein wird zu einem der wichtigsten Vorkämpfer in kultur- und gesellschaftspolitischen Zielen der Sozialdemokratie. Die Hauptgebiete seiner Aktivitäten sind die Schulfrage und die Eherechtsfrage, in der ein in heftigem Gegensatz zur katholischen Kirche steht.


1895

Das 1895 erstmals erscheinende Mitteilungsorgan des Vereins (Mittheilungen des Vereines der Freidenker Nieder-Oesterreichs).


1903

1903 erfolgt die Umbenennung der Zeitung in „Der Freidenker“.


1905

Der bald darauf, 1905 gebildete Verein Freie Schule propagiert die Zurückdrängung des kirchlichen Einflusses auf das öffentliche Schulwesen. Andere nahestehende Organisationen sind die Ethische Gesellschaft, die sich die humanistische Gestaltung der Gesellschaft zum Ziel setzt, und der Verein Die Flamme, der für die Legalisierung der Feuerbestattung eintritt. Noch im selben Jahr wurde auch der “Eherechtsreformverein” gegründet, der eine radikale Reform des Eherechts forderte, mit etlichen Mitgliedern des “Vereins der Freidenker Nieder-Österreichs” in leitenden Funktionen.


1906

1906 erringt der damalige Obmann des Freidenkerbundes Ludwig Wutschel ein Mandat im Wiener Gemeinderat.


1907

Am XIV. Weltkongress des Internationalen Freidenkerbundes 1907 in Prag nehmen ca. 400 Mitglieder des Wiener Eherechtsreformvereins teil. In der Abschlussresolution der Tagung heißt es u.a.: Die mit dem Staat verbündete Kirche und die von Staat eingerichteten konfessionellen Schulen sind Bestrebungen, den Menschengeist in Knechtschaft und Rückständigkeit zu erhalten, um so der Kirche gedankenlose Nachbeter und dem Staate willenlose und ganz abhängige Kreaturen zu erziehen.


1918

1918 entstand im Rahmen der Arbeiterbewegung der “Österreichische Freidenkerbund” (Abzeichen: Stiefmütterchen) auf marxistischer Basis, der der Sozialdemokratie nahestand, in zirka 300 Ortsgruppen rund 45.000 Mitglieder umfasste und Kirchenaustrittspropaganda betrieb, bis 1919 Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, die für ein wissenschaftlich orientiertes Weltbild und religionsfreien Ethik stehen. Hierbei vor allem mit Ernst Haeckels “Monistenbund” und die “Ethische Gemeinde”, welche von Friedrich Jodl gegründet wurde.


1919

Durch Zusammenschluss aller bestehenden Freidenkervereine im „Freien Bund kultureller Vereine“ im März 1919 versuchte man den Kampf gegen die Kirche wieder aufzunehmen. Es waren dies:

  • Der Allgemeine Österreichische Frauenverein,
  • Die Ethische Gesellschaft bzw. die Ethische Gemeinde,
  • Die Bereitschaft,
  • Verein für soziale Arbeit und zur Verbreitung sozialer Kenntnisse,
  • Der Eherechtsreformverein,
  • Der Monistenbund in Österreich,
  • Der Wiener Akademische Monistenbund,
  • Der Verein der Freidenker,
  • Die Sozialpädagogische Gesellschaft,
  • Die Vereinigung für Volks – und Jugenderziehung.

Bis zum Jahresende 1922 wurden 141 Ortsgruppen des FBÖ gegründet, davon 24 in Wien, 47 in Niederösterreich, 22 in Oberösterreich, 31 in der Steiermark, 6 in Kärnten, 11 in Tirol.


1921

1921 erfolgt die Umbenennung des Vereins in Freidenkerbund Österreichs, Dr. Karl (Ritter von) Frantzl übernimmt die Präsidentschaft.


1922

Mit der Eröffnung des Wiener Krematoriums gelingt der Freidenkerbewegung 1922 ein wichtiger Erfolg gegen den massiven Widerstand der Kirche und der Konservativen. Der Errichtung und Inbetriebnahme war ein monatelanger erbittert geführter Kulturkampf vorangegangen.

Im Roten Wien entwickelt der Verein, der 1932 rund 65.000 Mitglieder zählt, die an ihrem Abzeichen – einem Stiefmütterchen – erkennbar sind, eine freidenkerisch-sozialistische Fest- und Feierkultur, die sich als Alternative und Gegenmodell zur klerikal-katholisch geprägten Tradition versteht. Die Nachfolgeorganisation in der Ersten Republik nannte sich „Österreichischer Freidenkerbund“, hatte rund 65.000 Mitglieder und stand SPÖ sowie KPÖ nahe.


1924

1924 war der I. Internationale Kongress proletarischer Freidenker in Wien


1925

1925 wurde im böhmischen Teplitz-Schönau die “Internationale Proletarischer Freidenker” mit Mitgliedsorganisationen in Deutschland, Frankreich, Österreich, Polen, Russland und der Tschechoslowakei gegründet, Karl Frantzl wird Generalsekretär


1927

1927 hatte sich als letzte die Landesorganisation Salzburg dem Bund angeschlossen, es wurde damit ein Mitgliederstand von 41705 erreicht.

Die 1920er Jahre standen ganz im Zeichen der Ausgestaltung einer freidenkerisch-sozialistischen Festkultur und der beständigen Werbung für den Austritt aus der Kirche, die besonders nach der Julirevolte von 1927 intensiviert wurde. Der Verein umfasste zu dieser Zeit rund 45.000 Mitglieder in zirka 300 Ortsgruppen, die an ihrem Abzeichen – einem Stiefmütterchen – erkennbar waren. Einer der bedeutendsten Vorkämpfer des Freidenkertums in Österreich war der NRA Karl Leuthner, der unablässig gegen die politisierende Kirche zu Felde zog.


1928

Daß innerhalb der Arbeiterbewegung bestimmte Gruppen, vor allem die Freidenker, gegen die Religiosität kämpfen, bedeutet noch nicht, daß dies die Partei als solche tut, daß es die Gewerkschaften als solche tun. Die Freidenker sind innerhalb der Arbeiterbewegung in einer ähnlichen Lage wie die Naturfreunde oder die Abstinenten. Neurath, Lebensgestaltung und Klassenkampf, 1928


1929

Der Schuldirektor Franz Ronzal übernimmt die Präsidentschaft.


1930

1930 spalteten sich die „Proletarischen Freidenker“ in einen sozialdemokratischen und einen kommunistischen Verband (IpF), der von 1925-33 in Wien seinen Sitz hatte.


1931

Im Frühjahr 1931, als die Freidenker ihr zehnjähriges Jubiläum feiern, ist die katholische Reaktion allerdings bereits auf dem Vormarsch. Der Klerikalismus begnügt sich nicht mit der Machtstellung, die ihm willlfährige Regierungen unter Mißbrauch der Staatsgewalt, insbesondere auf dem Gebiet des Schulwesens von der Volksschule bis zur Universität geschaffen haben, und er will die schwere innere Not der unter einem unhaltbar gewordenen Eherecht leidenden Massen dazu mißbrauchen, um im Wege eines Konkordats gegen das Linsengericht einer Reform des veralteten Eherechtes die bedingungslose Herrschaft über die Schule und die Jugend wieder zu erlangen. (Arbeiter-Zeitung, 28. April 1931)


1933

Der Freidenkerbund unter seinem Bundesobmann Franz Ronzal, der 1932 rund 65.000 Mitglieder zählte und seinen Sitz am Margaretengürtel 94 im 5. Bezirk hatte, wurde unter dem klerikal geprägten Austrofaschismus im Juni 1933 als erste sozialdemokratische Kulturorganisation per Notverordnung unter Einziehung seines Vermögens behördlich aufgelöst.

Am 5. Juni 1933 schließt die österreichische Bundesregierung unter Bundeskanzler Dollfuß mit Papst Pius XI. ein neues Konkordat, das die Macht und den Einfluss der katholischen Kirche stärkt. Dieser völkerrechtliche Vertrag, dessen Fortgeltung nach 1945 zunächst umstritten ist, wird von der Bundesregierung 1957 anerkannt, und ist, wenn auch durch nachfolgende Teilkonkordate abgeändert, bis heute in Kraft. Die Nationalsozialisten, die der Religion eher distanziert gegenüberstehen, verbieten dennoch alle freidenkerischen Vereinigungen, ihr deutscher Vorsitzender Max Sievers wird 1944 ermordet. Ihre Ideologie ist ihnen Glaube genug, die Vernunft macht Pause.

Um die Interessen der Konfessionslosen und Nichtkatholiken Österreichs zu wahren, wurde in der Folge die “Freireligiöse Gemeinde” unter der Obmannschaft von Carl Kundermann gegründet. 


1935

1935 wurde auch sie aufgelöst.


1948

In der zweiten Republik kam es am 21. Januar 1948 zur Neugründung des “Freidenkerbundes Österreichs” unter Franz Ronzal. Eine Wiedergründung im Sinne der Rechtskontinuität mit dem 1933 verbotenen Freidenkerbund wurde von Innenminister Oskar Helmer jedoch verhindert, weshalb dem neugegründeten Verein das beschlagnahmte Vereinsvermögen nicht zurückerstattet wurde. Von Seiten der neuen SPÖ, die auf ein gutes Verhältnis zur Österreichischen Volkspartei bedacht war, erhielt der Verein keine Unterstützung mehr. Der Verein ist ab 1948 ist nun parteiungebunden.


1958

Im 1958 beschlossenen Parteiprogramm heißt es im Abschnitt Sozialismus und Religion: Sozialismus und Religion sind keine Gegensätze. Jeder religiöse Mensch kann gleichzeitig Sozialist sein. Die Sozialdemokratie ist fortan bestrebt, Kulturkämpfe mit der ÖVP zu vermeiden und sich mit der katholischen Kirche auszusöhnen, ein Prozess, der unter dem erklärten Agnostiker Bruno Kreisky und dem „roten Kardinal“ König schließlich auch gelingen sollte.


1961

Nach Franz Ronzal wird nun Dipl.-Ing. Hugo Rosenberg der Obmann des Vereins.


1965

Der Offizier und spätere Ministerialbeamte Fritz Kernmeier wird Obmann des Vereins.


1967

Franz Salomon wird Obmann des Vereins.


1968

Fritz Kernmeier wird wieder Obmann des Vereins.


1970

Schwere innere Zerwürfnisse führen 1970 zum Rücktritt Kernmaiers. Am 12. Dezember 1970 beschloss eine außerordentliche Bundeshauptversammlung die Auflösung des “Freidenkerbundes Österreichs” und seine Überführung in das “Institut für Geistesfreiheit und wissenschaftliche Weltanschauung” unter der Leitung von Albrecht K. Konecny. Dies wurde allerdings beeinsprucht, und der Verein wurde in “Österreichisches Institut für Geistesfreiheit und wissenschaftliche Weltanschauung – Freidenkerbund Österreichs“ umbenannt. De facto gelang es Konecny allerdings erst Jahre später, die zerstrittenen Gruppen wieder zusammenzuführen


1971

Dr. Alexander Ostermann wird Obmann. Da ein Gerichtsbeschluss die Auflösung des “Freidenkerbundes Österreichs” für ungültig erklärt, gilt er bis zu seinem Rücktritt Ende 1975 als rechtmäßiger Bundesobmann.

Albrecht K. Konecny, Journalist. Nationalratsabgeordneter und Bundesrat der Sozialistischen Partei Österreichs wird Präsident des “Instituts für Geistesfreiheit und wissenschaftliche Weltanschauung”. Nach dem Rücktritt Dr. Ostermanns auch Gerichtskurator des “Freidenkerbundes Österreichs”.


1978

1978 erfolgte unter der Leitung des neuen Obmanne Richard Klucsarits eine erneute Gründung als parteipolitisch unabhängige Organisation mit dem Beinamen „Institut für wissenschaftliche Weltanschauung“. Klucsarits war Archivar der SPÖ und leitete den Verband bis 1985.


1981

In diesem Jahr nehmen nach langer Zeit wieder österreichische Delegierte an Kongress der Weltunion der Freidenker” teil.

Die Zeitschrift Der Freidenker – Geist und Gesellschaft erhält ein neues Aussehen und bringt in steigendem Ausmaß populärwissenschaftliche Beiträge aus verschiedenen Gebieten der Wissenschaft.

Vielen Bestrebungen des Freidenkerbundes aus dieser Zeit ist eine die Jahrzehnte überdauernde Nachwirkung beschieden. Die Einführung der staatlichen Zivilehe, die Möglichkeit der Ehescheidung, moderne Ansätze in der Kindererziehung und der schulischen Pädagogik, die Möglichkeit des Austritts aus einer Religionsgemeinschaft durch eine diesbezügliche Erklärung vor einer staatlichen Behörde, die Feuerbestattung und anderes mehr, alles Dinge die als Selbstverständlichkeiten in das öffentliche Bewusst sein eingegangen sind, gehen letztlich auf die politische Arbeit des Freidenkerbundes zurück.


1984

1984 wurde auch das Bundesorgans “Der Freidenker – Geist und Gesellschaft”, dessen Redaktion Anton Szanya übernahm, einer Neugestaltung unterzogen.


1985

Der Freidenkerbund gewinnt in den folgenden Jahren seine innere und äußere Festigkeit wieder. Der im Jahr 1985 auf Richard Klucsarits folgende Vorsitzende Anton Szanya setzt erste Schritte zur bundesweiten Ausdehnung der Organisation der Freidenkerbundes. Prof. Dr. Anton Szanya, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Österreichischen Volkshochschularchivs, wird 1985 Bundesvorsitzender des Freidenkerbundes Österreichs.


1987

Nach der nur kurzlebigen Einrichtung eines Stützpunktes in Vorarlberg im Jahr 1986 kommt es im folgenden Jahr zur Gründung eines Stützpunktes in Linz. Unter der Leitung von Horst Simmer entwickelt sich dieser Stützpunkt innerhalb von zwei Jahren zur Landesgruppe Oberösterreich.


1989

Im Jahr 1989 werden die Mitglieder in Burgenland, Niederösterreich und Wien zur Landesgruppe Ost zusammengefasst.


1990

Unter dem seit 1990 amtierenden Bundesvorsitzenden Wolfgang Soos kann die Organisation des Freidenkerbundes noch um Stützpunkte in Salzburg und Kärnten erweitert werden. Richard Soos war Erwachsenenbildner. Entwicklung neuer Arbeitsformen: regelmäßige Freidenker-Treffen, freidenkerische Stadtführungen, österreichweiter Vortragsdienst. Petitionen und andere Anstrengungen bezüglich der Gleichbehandlung von Weltanschauungsgemeinschaften gegenüber Religionsgemeinschaften. Ausbau der internationalen Verbindungen.


1994

Die erfolgreiche Durchführung des 52. Kongresses der” Weltunion der Freidenker” im vom 1.-3. April 1994 in Wien zeigt, dass der “Freidenkerbund Österreichs” auch in der internationalen freidenkerischen Bewegung wieder an Ansehen und Gewicht gewonnen hat. Neben politischen Maßnahmen führt der Freidenkerbund vor allem Bildungsmaßnahmen durch.


1997

Seit 1997 werden alljährlich gesamtösterreichische Treffen organisiert, bei denen neben dem informativen wissenschaftlichen Programm auch der Kontaktpflege der Mitglieder untereinander eine wichtige Funktion zukommt.


2001

Mit der Einrichtung einer Homepage unter der URL www.freidenker.at im Jahr 2001 ist der “Freidenkerbund Österreichs” auch in das Internet-Zeitalter eingetreten. Langsam gelingt es dem “Freidenkerbund Österreichs”, wieder in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. In den zurückliegenden Jahren sind Mitglieder des Freidenkerbundes Gäste in Talk-Shows des Fernsehens mit religiösen Inhalten zu Gast gewesen. Unabhängige Radiosender strahlen Programme mit Mitgliedern des Freidenkerbundes aus. Einige Mitglieder treten auch mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen an die Öffentlichkeit. Auch einige Politikerinnen und Politiker kann der Freidenkerbund zu seinen Mitgliedern zählen.


2006

2006 bot der Bund neben Atheist:innen, Agnostiker:innen und säkularen Humanist:innen auch Freireligiösen (d.h. die unter keinem kirchlichem Einfluss stehen) eine Mitgliedschaft an. Damit wurde der Faden zu den historischen Ursprüngen der Freidenkerbewegung und zu den englischen Wurzeln hergestellt. Dies führte jedoch zur Ablösung der oberösterreichischen Landesgruppe aus dem Bund. 

Nach dem überraschenden Tod von Dr. Wolfgang Soos wird die Vereinsführung zuerst von Dr. Martin Luksan und später von seinem Stellvertreter Theo Maier übernommen. Schon in dieser Zeit kommt es zu einer immer stärkeren Abgrenzung des Freidenkerbundes von der Sozialdemokratie.

Der Verein entwickelt sich Schritt für Schritt in Richtung einer überparteilichen Plattform, welche sich für Säkularisierung und für die Rechte aller Konfessionsfreien einsetzt.


2007

2007 gründete sich etwa die ehemalige oberösterreichische FBÖ-Landesgruppe um Wolfgang Huber als “Allianz für Humanismus und Atheismus” (AHA) neu, die u.a. die Öffnung des Bundes auch für Freireligiöse nicht mittragen wollte. Die AHA wollte eine dezidiert atheistische und politisch aktive Vereinigung sein.

Der Freidenkerbund Österreich (FDBÖ) wurde nach Umbenennung des Freidenkerbundes in „Humanistischer Verband Österreich“ (HVÖ) von Personen gegründet, die diese Veränderung nicht mittragen wollten. Das altvertraute Vereinssymbol, das Stiefmütterchen (franz. pensée), wird weiterverwendet; es erinnert an das Motto der Bewegung: Denken statt Beten.


2008

Der Grünen-Politiker und Biologe Prof. Erich Eder gründete fast zeitgleich die “AgnostikerInnen und AtheistInnen für ein säkulares Österreich” (AG-ATHE) mit Philippe Lorre als Sprecher, wobei man als vorrangige Ziele die Gleichbehandlung Konfessionsloser in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten sowie eine laizistische Gesellschaftsordnung anstrebte.


2009

“Laïcité – Institut für Laizität” von Mag. Niko Alm ist aus der aus der 2009 gegründeten Laizismus-Initiative hervorgegangen und Teil des Zentralrats der Konfessionsfreien mit dem Ziel, die Kenntnisse über Laizität und die Grundlagen für eine politische Entscheidungsfindung zu diesem Thema in der Gesellschaft durch Forschung und Lehre zu erweitern.

Entstand ebenfalls die Regionalgruppe Österreich der “Giordano-Bruno-Stiftung” (GBS), die sich an der 2004 gegründeten deutschen “Stiftung zur Förderung des evolutionären Humanismus” orientiert. Durch ihre klare atheistische Offensive – bekannt wurde etwa die Plakatkampagne des Werbefachmanns und Österreichsprechers der Stiftung, Niko Alm – wurden bestehende Gruppen belebt und die Bildung neuer Initiativen angeregt.


2010

Als Plattform der genannten säkularen Einrichtungen ist der “Zentralrat der Konfessionsfreien” (ZrK) entstanden. Die von Niko Alm geleitete Organisation versucht sich für jene Österreicher stark zu machen, die formell zu keiner Religionsgemeinschaft gehören und fordert, dass Rechte der Indifferenten, Uninteressierten und Ungläubigen in gleichem Ausmaß geschützt werden wie Rechte der Gläubigen.

Die Initiative Religion ist Privatsache (RIP) sucht seit ihrer Gründung 2010 Religion aus öffentlichen Einrichtungen zu verbannen, denn Religion in diesem Raum führe zur Diskriminierung von Konfessionsfreien. Die Initiative strengt einen Weg durch alle Rechtsinstanzen an, um ein Kreuzverbot oder die Streichung des Religionsunterrichts vom Lehrplan zu erwirken. Eine eigens eingerichtete „Meldestelle“ gegen religiöse Bevormundung soll entsprechende Diskriminierungsfälle sammeln. Die Initiative hat bezüglich Medienpräsenz in Österreich wohl die größte Reichweite von allen laizistischen Vereinigungen.


2012

Eine weitere Stärkung erfährt der Freidenkerbund ab dem 30. März 2012 unter der Führung des nächsten Präsidenten Dr. Gerhard Engelmayer. In dieser Zeit kommt es gleichzeitig zu einer weltweiten Evolution des Freidenkertums (engl. Freethinking). Diese neue Entwicklung präsentiert sich als Humanismus der Neuzeit und bewegt viele Freidenkervereine weltweit in eine neue, modernere Richtung.


2018

Im Jahr 2018 haben die österreichischen FreidenkerInnen den nächsten Sprung in ihrer Gedankenevolution gemacht. Der Verein bekommt den Namen Humanistischer Verband Österreich und setzt sofort entscheidende Schritte, die zu einer stärkeren medialen Präsenz führen. Die europaweite Vernetzung förderte die Angleichung an eine einheitliche Bezeichnung und auch eine neue Ausrichtung. Als zentrales Anliegen rückt der moderne Humanismus in den Vordergrund der Verbandsarbeit; die Schwerpunkte sind: eine konfessionsfreie, humanistische Ethik, eine darauf aufbauende, pragmatisch ausgerichtete Lebensauffassung und eine durch klare Werte und durch evidenzbasiertes Wissen geprägte evolutionäre Weltanschauung.


2019

Dazu zählt auch der erste Humanisten-Kongress in Österreich, der im Jahr 2019 erfolgreich abgehalten wurde und sehr positive Reaktionen auslöste.


2022

Am 12. März 2022 wird Dr. Andreas Gradert zum neuen Präsidenten des Humanistischen Verband Österreich gewählt.


2023

Auskunftsersuchen über die Diskriminierung der Konfessionsfreien im Publikationsrat des ORF


Autoren:

Prof. Dr. Anton Szanya, 1985-90 Präsident der Freidenker
Dr. Ronald Bilik, 2011-13, 2014-22 Präsidium, ab 2018 stv. Präsident HVÖ
Mag. Dragan Petrovic, 2018-22 Präsidium HVÖ
Dr. Andreas Gradert,, seit 2022 Präsident HVÖ


Der Verein Atheisten Österreich setzt sich ab 2019 für ein säkulares Österreich ein; er möchte religiöse Einflüsse auf die Gesellschaft und den Staat eindämmen und Religionsfreiheit allein auf den privaten Raum beschränken. Seit seiner Gründung zur Jahreswende 2018/19 bietet er Austauschtreffen und Hilfsangebote für nichtreligiöse Menschen an. Der junge Verein zählt nach eigenen Angaben bereits über hundert Mitglieder. 

Die Säkulare Flüchtlingshilfe – Österreich wurde 2019 mit Unterstützung der gleichnamigen deutschen Unternehmung in Österreich eingerichtet. Mit dieser Initiative, die die heikle Situation religionsfreier Asylsuchender, wie zum Beispiel von Ex-Muslim:innen, in den Blick nimmt, wird praktizierte humanistische Lebensführung mit praktischer Lebenshilfe verknüpft.

Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich (ARG) stellte am 30. Dezember 2019 einen Antrag auf Registrierung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft nach dem seit 1998 bestehenden „Bundesgesetz über die Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekenntnisgemeinschaften“ (BekGG). Gegen den elf Monate später erhaltenen ablehnenden Bescheid der Kultusbehörde brachte die ARG eine Beschwerde ein.

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