World Atheist Day 2024

Atheismus ist eine Weltanschauung, die die Existenz von Göttern oder übernatürlichen Wesen ablehnt. Er wird von einer wachsenden Anzahl von Menschen in der Schweiz und weltweit angenommen. Der “World Atheist Day”, der am 23. März begangen wird, soll darauf aufmerksam machen, dass trotz dieser wachsenden Akzeptanz in einigen Teilen der Welt immer noch Atheisten unterdrückt werden. Dieser Tag wurde vor fünf Jahren von einer Gruppe von Atheisten in Kanada ins Leben gerufen. Sie wollten damit die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer atheistischen Überzeugungen thematisieren.

In Österreich ist der “World Atheist Day” nicht besonders bekannt. Weltweit betrachtet gibt es jedoch eine steigende Anzahl von Menschen, die sich als Atheisten identifizieren. Es gibt keine genauen Zahlen darüber, wie viele Menschen weltweit atheistisch sind, aber in Ländern wie China, Japan und einigen europäischen Ländern ist der Anteil der Atheisten besonders hoch.

Trotz dieser wachsenden Akzeptanz gibt es Orte, an denen Atheisten noch immer großen Gefahren ausgesetzt sind. In einigen Ländern können sie wegen ihrer Überzeugungen verfolgt, diskriminiert oder sogar mit dem Tod bedroht werden. Der “World Atheist Day” soll auf solche Probleme aufmerksam machen und dazu beitragen, die Rechte und die Anerkennung von Atheisten weltweit zu stärken.

Atheismus als philosophische oder weltanschauliche Position gibt es seit vielen Jahrhunderten. Schon in antiken Kulturen gab es Menschen, die die Existenz von Göttern in Frage stellten oder ablehnten. Diese Skepsis gegenüber religiösen Vorstellungen wurde in verschiedenen philosophischen Strömungen und Schulen diskutiert.

Im christlichen Mittelalter war es jedoch gefährlich, öffentlich atheistische Ansichten zu vertreten. Abweichungen von den religiösen Lehren wurden oft mit schweren Strafen geahndet, und die Kirche hatte einen starken Einfluss auf das intellektuelle Leben. Dennoch gab es vereinzelt Denker, die skeptische oder atheistische Überzeugungen hegten, obwohl sie diese in der Regel nicht öffentlich äußerten, um Verfolgung zu vermeiden.

Der Begriff “Atheismus” selbst und eine organisierte atheistische Bewegung entstanden jedoch erst in der Neuzeit, insbesondere während der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert, als die Vorstellungen von Vernunft und Wissenschaft gegenüber religiöser Autorität und Dogma an Bedeutung gewannen.

Der Atheismus durchlief eine bemerkenswerte Entwicklung, die seine Blütezeit insbesondere in der Neuzeit erlebte. Während der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert, einem Zeitalter des Fortschritts in den Bereichen Philosophie, Wissenschaft und Kultur, gewannen atheistische Ideen zunehmend an Bedeutung. Denker wie Voltaire, Diderot und David Hume waren maßgeblich daran beteiligt, indem sie sich kritisch mit den etablierten religiösen Überzeugungen auseinandersetzten und alternative Ansichten vorstellten, die auf Vernunft und Empirie beruhten.

Im 19. Jahrhundert erlebte der Atheismus im deutschsprachigen Kulturraum einen weiteren Höhepunkt. Philosophen wie Ludwig Feuerbach und Friedrich Nietzsche prägten diese Zeit mit ihren Schriften, die die traditionellen religiösen Vorstellungen in Frage stellten und eine radikale Neubewertung der menschlichen Existenz und Moral anstrebten.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verstärkte sich der Einfluss des Atheismus weiter, insbesondere durch den Erfolg und die Verbreitung der Naturwissenschaften. Die Entdeckungen und Erkenntnisse in Bereichen wie Biologie, Physik und Geologie, sowie die Einführung des darwinistischen Weltbildes durch Charles Darwin, lieferten alternative Erklärungen für die Natur und den Ursprung des Lebens, die im Gegensatz zu religiösen Schöpfungserzählungen standen. Dies trug entscheidend dazu bei, den Atheismus zu fördern und zu seiner weiteren Verbreitung beizutragen.

Gemäß einer Umfrage von Gallup International aus dem Jahr 2022, die in über 60 Ländern durchgeführt wurde, betrachten sich weltweit etwa 10 Prozent der Bevölkerung als Atheisten. Zusätzlich identifizieren sich rund 24 Prozent als nicht religiös. Insgesamt geben etwa 62 Prozent der Weltbevölkerung an, religiös zu sein, während der Rest unsicher ist oder keine klare Zuordnung trifft.

In der Schweiz zeigt sich eine etwas andere Situation: Etwa ein Drittel der Schweizer Bevölkerung gibt an, keiner Religionsgemeinschaft anzugehören, während etwa 19 Prozent sich explizit als Atheisten bezeichnen. Es ist interessant zu bemerken, dass der Anteil der nichtreligiösen Bevölkerung in der Schweiz in den letzten fünfzig Jahren stetig zugenommen hat und damit zu einer der am schnellsten wachsenden Gruppen gehört.

Ein bemerkenswertes Beispiel für eine geringe religiöse Zugehörigkeit ist China, wo etwa sieben von zehn Menschen sich selbst als Atheisten betrachten. Diese Zahlen reflektieren einen globalen Trend, bei dem in vielen Teilen der Welt eine Abnahme der Religiosität und eine Zunahme der Säkularisierung zu beobachten ist.

Für Atheisten liegt der Schwerpunkt auf der Annahme, dass das Leben in seiner Bedeutung und Wertschätzung ausschließlich auf das Hier und Jetzt beschränkt ist. Sie glauben nicht an die Existenz einer transzendenten oder übernatürlichen Realität, sei es ein Leben nach dem Tod, eine spirituelle Ebene oder ein göttliches Urteil.

Aus dieser Perspektive heraus betrachten Atheisten den Tod als das endgültige Ende des individuellen Bewusstseins und der persönlichen Existenz. Nach dem Ableben wird angenommen, dass das Bewusstsein einfach erlischt, und es gibt keine Fortsetzung des individuellen Lebens in irgendeiner Form. Diese Vorstellung basiert auf dem Prinzip des Naturalismus, welches besagt, dass sämtliche Phänomene und Ereignisse im Universum durch natürliche Prozesse und Gesetzmäßigkeiten erklärt werden können, ohne auf übernatürliche Entitäten oder Kräfte zurückzugreifen.

Für Atheisten liegt der Fokus daher darauf, das Leben auf der Erde sinnvoll und erfüllend zu gestalten, moralisch zu handeln und persönliche Ziele zu verfolgen, ohne auf eine jenseitige Belohnung oder Bestrafung zu hoffen. Sie sehen im Leben selbst eine Quelle von Bedeutung, Werten und Zwecken, die es zu schätzen und zu nutzen gilt. Diese Betrachtungsweise betont die Verantwortung jedes Einzelnen, das Beste aus seinem Leben zu machen, und betont die Bedeutung von Empathie, Ethik und Menschlichkeit im Umgang mit anderen und in der Gesellschaft als Ganzes.

In Europa sind Atheisten heute nicht mehr physischer Gefahr ausgesetzt, was ihre Leben betrifft. Jedoch gibt es noch immer Regionen auf der Welt, in denen Menschen ohne Glauben ernsthaft unterdrückt, verfolgt oder sogar mit dem Tod bedroht werden. In einigen Ländern kann Apostasie, der offizielle Abfall vom Glauben, im schlimmsten Fall mit der Todesstrafe geahndet werden.

Laut einem Bericht der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU) aus dem Jahr 2012 droht Atheisten in mindestens sieben Ländern weltweit die Todesstrafe wegen ihres Glaubens oder ihrer Nicht-Religiosität. Insbesondere in Staaten mit islamischer Prägung werden Atheisten und Nichtreligiöse durch staatliche und religiöse Autoritäten bedroht. Jedoch ist auch in einigen christlich geprägten Ländern Europas sowie in den USA eine Benachteiligung von Atheisten und Nichtgläubigen zu beobachten, wie die IHEU in ihrem Bericht feststellt.

Diese Gefahr für Atheisten verdeutlicht, dass Religionsfreiheit und die Achtung von atheistischen Überzeugungen und Weltanschauungen weltweit noch immer nicht selbstverständlich sind. Die Aufklärung über solche Missstände und die Förderung von Toleranz und Respekt gegenüber allen Glaubensrichtungen oder Nicht-Glaubensrichtungen bleiben daher wichtige Anliegen im Streben nach einer gerechten und freien Gesellschaft.

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Dr. Andreas Gradert

Andreas Gradert studierte Theologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Psychologie an der University of Liverpool, Wirtschaftswissenschaften am MIT und Mediation am Wifi Salzburg und bei Lis Ripke.

Seit 2022 Präsident des Humanistischen Verbandes Österreich, früher im Präsidium Lebenshilfe Salzburg, nun im Präsidium Die Konfessionsfreien | Atheisten Österreich | giordano bruno stiftung Österreich, aktiv in der EU Fundamental Rights Agency | GWUP | Effektive Altruisten und verschiedenen Menschenrechtsorganisationen.

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