Freedom of Thought Report 2023

Freedom of Thought Report2023

Anlässlich der jährlichen Veröffentlichung seiner Key Countries Edition zum jährlichen Freedom of Thought Report veranstaltet Humanists International eine Auftaktveranstaltung, so auch dieses Jahr, am 15. November 2023 war Othmar Karas, MdEP und Erster Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Gastgeber einer Vorveranstaltung im Rahmen des Artikel-17-Dialogs mit Kirchen, religiösen Vereinigungen oder Gemeinschaften sowie philosophischen und nichtkonfessionellen Organisationen. Der Humanistische Verband Österreich hat daran ónline teilgenommen.

Zu den Gastrednern gehörten: Andrew Copson, Präsident von Humanists International, Elizabeth O’Casey, Leiterin der Interessenvertretung, Humanists International, Ionel Zamfir, Politikanalyst, Wissenschaftlicher Dienst des Europäischen Parlaments und Gáspár Békés, Gründungsmitglied der Ungarischen Atheistenvereinigung (per Videobotschaft)

Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der Situation der Konfessionslosen in den europäischen Ländern, wobei insbesondere Ereignisse in Ungarn, Polen, Frankreich, der Türkei, Griechenland und Zypern hervorgehoben wurden.

Heute nun hat unsere Schwesterorganisation Humanists International am nachmittag in einer globalen Zoom-Konferenz den Freedom of Thought Report 2023 freigegeben.

In dieser bedeutenden Berichterstattung wird bedauerlicherweise als zentrale Feststellung betont, dass Humanisten in nicht weniger als 186 Ländern weltweit einer Diskriminierung ausgesetzt sind. Diese alarmierende Realität zeigt die Herausforderungen auf, mit denen wir humanistisch denkenden Menschen auf lokaler und globaler Ebene konfrontiert sind. In Anbetracht der Dringlichkeit und Wichtigkeit dieses Sachverhalts ermutigen wir alle Interessierten nachdrücklich, diesen Bericht aufmerksam zu lesen und sich mit den einschneidenden Fragen und Ungerechtigkeiten auseinanderzusetzen, denen Humanisten in verschiedenen Teilen der Welt gegenüberstehen.

Der Freedom of Thought Report 2023 stellt wie immer ein entscheidendes Instrument dar, um den Status der Meinungs- und Glaubensfreiheit weltweit zu verstehen. Diese Berichterstattung liefert klare Belege für systematische Diskriminierung gegenüber Nichtreligiösen und Personen, die humanistische Werte vertreten. Bemerkenswerterweise nimmt der Bericht eine umfassende Bewertung vor, indem er jedes Land der Welt anhand seines Grades an Religions- oder Glaubensfreiheit analysiert und bewertet. Durch diese detaillierte Analyse werden nicht nur die globalen Trends in Bezug auf Meinungsfreiheit aufgezeigt, sondern auch spezifische Herausforderungen und Ungerechtigkeiten, mit denen nichtreligiöse Menschen sowie Anhänger humanistischer Werte konfrontiert sind, herausgestellt. Die Berichterstattung ermöglicht somit eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den aktuellen Entwicklungen und Problematiken im Bereich der Glaubens- und Gedankenfreiheit auf internationaler Ebene.

Der Bericht offenbart beunruhigende Erkenntnisse darüber, dass in über 87 Ländern weltweit Gesetze existieren, die ‘Blasphemie’ oder ‘Apostasie’ kriminalisieren. Die verhängten Strafen reichen von Geldbußen bis hin zu Gefängnisstrafen, wobei in 13 Ländern sogar die Todesstrafe droht. In nicht weniger als 32 Ländern ist es entweder illegal oder praktisch unmöglich, eine humanistische Organisation offen zu führen. Hierbei treten in 11 Ländern Regierungsbeamte offen in Erscheinung, indem sie die Nichtreligiösen offen marginalisieren, belästigen oder zu Hass oder Gewalt gegen sie aufrufen.

Diese schockierenden Fakten verdeutlichen eine alarmierende Realität, in der die Ausübung von Meinungs- und Glaubensfreiheit mit erheblichen Risiken verbunden ist. Die Palette der auferlegten Strafen, angefangen bei finanziellen Sanktionen bis hin zur extremen Maßnahme der Todesstrafe, verdeutlicht die Ernsthaftigkeit der Lage. Besonders bedenklich ist zudem die Tatsache, dass in zahlreichen Ländern die offene Führung einer humanistischen Organisation entweder illegal ist oder praktisch unmöglich gemacht wird. Dies schränkt nicht nur die Rechte der Betroffenen erheblich ein, sondern wirft auch ein grelles Licht auf die systematische Diskriminierung und Verfolgung von Nichtreligiösen in verschiedenen Teilen der Welt. Der Bericht bietet somit einen beunruhigenden Einblick in die anhaltenden Herausforderungen, mit denen Humanisten und Nichtreligiöse weltweit konfrontiert sind.

Es ist von entscheidender Bedeutung, den Bericht zu lesen, denn er legt ein alarmierendes Bild vor: Das Klima für Humanisten weltweit ist geprägt von zunehmender Diskriminierung und Verfolgung. Der Freedom of Thought Report 2023 hebt dabei die dringende Notwendigkeit hervor, dass unsere Bewegung sich für das Recht einsetzen und es verteidigen muss, humanistische Werte auszudrücken und einzufordern.

Der Bericht fungiert somit nicht nur als bloße Informationsquelle, sondern auch als Aufruf zum Handeln angesichts der wachsenden Herausforderungen, denen Humanisten auf internationaler Ebene gegenüberstehen. Die dokumentierten Fakten unterstreichen, dass der Schutz der Meinungs- und Glaubensfreiheit sowie die Verteidigung humanistischer Werte zu einer zentralen Aufgabe unserer globalen Gemeinschaft werden müssen.

Die drängende Frage lautet, wie wir als Bewegung auf diese Herausforderungen reagieren können. Der Bericht fordert uns auf, aktiv für die Rechte von Humanisten einzutreten und sich gegen die zunehmende Unterdrückung zu stellen. Dies erfordert nicht nur eine Sensibilisierung für die bestehenden Problematiken, sondern auch konkrete Maßnahmen, um die Grundwerte der Meinungs- und Glaubensfreiheit zu schützen.

Die Herausforderungen für Humanisten weltweit dürfen nicht unbeachtet bleiben, und der Bericht dient als Weckruf, um gemeinsam als globaler Verfechter humanistischer Werte zu handeln. Es liegt an uns, diese drängende Angelegenheit ernst zu nehmen, um eine Welt zu fördern, in der die Freiheit des Denkens und der Überzeugung respektiert und geschützt wird.

Der Humanistische Verband Österreich wird in den nächsten Monaten Schritte setzen, damit die wichtige Stimme aller humanistischer, säkularer und atheistischer Vereine, Verbände und Interessengemeinschaften in Österreich berücksichtigt wird. Wir bestehen darauf, gehört, beachtet und ernst genommen zu werden, haben uns dazu auch prominente Unterstützung gesichert und werden an dieser Stelle über unsere gemeinsamen Fortschritte berichten.

Der Bericht ist Online verfügbar:

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Dr. Andreas Gradert

Andreas Gradert studierte Theologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Psychologie an der University of Liverpool, Wirtschaftswissenschaften am MIT und Mediation am Wifi Salzburg und bei Lis Ripke.

Seit 2022 Präsident des Humanistischen Verbandes Österreich, früher im Präsidium Lebenshilfe Salzburg, nun im Präsidium Die Konfessionsfreien | Atheisten Österreich | giordano bruno stiftung Österreich, aktiv in der EU Fundamental Rights Agency | GWUP | Effektive Altruisten und verschiedenen Menschenrechtsorganisationen.

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2 Responses

  1. Leider sind die Autor*innen des Berichts auch der seltsamen Aussage der Statistik Austria auf den Leim gegangen.
    Die 2022 erschienenen Ergebnisse der Erhebung aus 2021 enthalten tatsächlich diese Aussage. Wenn man die Daten genauer anschaut, sieht man, dass die 5,3 % “Andere” (nach der Aufzählung aller anerkannten Religionsgesellschaften) vor allem die Gruppen “weiß nicht” und “sage ich nicht” beinhalten. Die Angabe von 77,6 % ist so nicht seriös.

    Das Kultusamt im Bundeskanzleramt zählt Angehörige von Religionsgesellschaften, die offizielle Zahlen publizieren (tendenziell jene, die Kirchenbeitrag einheben), auf Basis dieser Zahlen. Die Statistik-Austria-Erhebung hat diese teilweise deutlich überschätzt.

    Ich führe eine regelmäßig aktualisierte Aufstellung mit genauer Herkunftsangabe und Methodenbeschreibung unter dieser Adresse:
    https://wiki.avoesterreich.at/index.php/Konfessionen_und_Konfessionsfreie_in_%C3%96sterreich

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