World Humanist Day 2024

Der Welthumanistentag wird jedes Jahr am 21. Juni gefeiert. Ein Datum mit einer reichen Geschichte. Es markiert die Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel und die Wintersonnenwende auf der Südhalbkugel. Die Sommersonnenwende war eine der frühesten astronomischen Beobachtungen in der Vorgeschichte der Menschheit. Sie war für das Überleben der ersten Menschen von entscheidender Bedeutung. Es ist ein Ereignis von großer kultureller Bedeutung und wird seit Tausenden von Jahren auf die eine oder andere Weise gefeiert. An diesem Tag wird der Welthumanistentag begangen. Wir gedenken der Bedeutung, die die Wissenschaft für die frühe Entwicklung und das Verständnis des Universums durch die Menschheit hatte. Wir feiern unsere gemeinsame Geschichte gemeinschaftlicher Zusammenkünfte, die Ausdruck der künstlerischen und kreativen Fähigkeiten der Menschheit sind.

Der Humanistische Verband Österreich hat im Dezember 2022 versucht, diesen weltweit begangenen Gedenktag auch im Interkulturellen Kalender der Stadt Wien unterzubringen, neben weiteren Feiertagen.

Die erste Reaktion war positiv, und mit einer dreimonatigen Bearbeitungszeit für Wiener Verhältnisse vielleicht auch sehr schnell:

Sehr geehrter Herr Dr. Gradert,

vielen Dank für Ihr Mail vom 9.12.2022.
Auch ein Dankeschön für den Vorschlag bzgl. den „Internationalen Tag der Humanisten“.
Der Kalender 2024 wird erst im September 2023 konkretisiert.
Ihre Anfrage wird rechtzeitig in der zuständigen Redaktion besprochen.

Diversitätsmanagement
Integration und Diversität (MA 17)
Friedrich-Schmidt-Platz 3
1080 Wien

Die finale Reaktion war dann nicht so positiv, und kam dann auch sehr rasch nach einer Wartezeit von weiteren sieben Monaten:

Sehr geehrter Herr Dr. Gradert,

vielen Dank für Ihre Anfragen bzgl. Aufnahme neuer Feiertage in den Interkulturellen Kalender der Stadt Wien:

  • „Internationaler Tag der Humanisten“ (Zusendung vom 9.12.2022)  
  • „Internationaler Tag der Atheisten“ (Zusendung vom 20.3.2023)

Wir haben nun festgestellt, dass Ihre Vorschläge die notwendigen Voraussetzungen für eine Aufnahme derzeit nicht erfüllen, u.a. gesetzliche Anerkennung in Österreich, der EU oder der UNO etc.

Diversitätsmanagement
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Friedrich-Schmidt-Platz 3
1080 Wien

Was war also unser Fehler? Haben wir uns nicht um extraterrestrische Referenzen bemüht? Sollten wir uns um Referenzen aus dem Alpha-Quadranten bemühen? Schickt uns ladefähige Adressen, liebes Magistrat, dann bemühen wir uns darum! Die können auch aus den anderen drei Quadranten sein, wir kümmern uns schon!

Oder gibt es ein anderes Problem? Etwa das der Mehrheiten? Ach, da kann ich beruhigen, wir wollten den Gedenktag ja nicht in der Tiroler Kleinstgemeinde Spiss etablieren, sondern in Wien. Klingelt da etwas in Sachen Mehrheit? 51,5% Konfessionslose, nach der neuesten Berechnung von Balázs Bárány, unserem Datascientisten und Vizepräsidenten, anhand Eures Jahrbuches, und hier nachzulesen.

Aber wir versuchen es nun mal bei jenen, die eine gewisse Sensibilität für religiöse Mehr- und Minderheiten entwickelt haben, wie zum Beispiel Christoph Wiederkehr mit seiner begrüßenswerten Ethik-Offensive. Sei es nun aus humanistischen Gründen, aus Gründen der Umsetzung der Agenda 2030 oder einfach nur der Blick auf die Mehrheiten – das ist uns egal.

Wir geben nicht auf, aus humanistischen Gründen, aus Gründen der Umsetzung der Agenda 2030 und mit dem Blick auf die Mehrheiten!

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Dr. Andreas Gradert

Andreas Gradert studierte Theologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Psychologie an der University of Liverpool, Wirtschaftswissenschaften am MIT und Mediation am Wifi Salzburg und bei Lis Ripke.

Seit 2022 Präsident des Humanistischen Verbandes Österreich, seit 2024 auch der giordano bruno stiftung Österreich, früher im Präsidium der Lebenshilfe Salzburg, jetzt im Präsidium der Atheisten Österreich , aktiv im Zentralrat der Konfessionsfreien | EU Fundamental Rights Agency | Skeptiker | Effektive Altruisten und diversen Menschenrechtsorganisationen.

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1 Response

  1. Stefan Uttenthaler sagt:

    Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet das Diversitätsmanagement der Stadt Wien das Ansuchen ablehnt. Nach dem Motto: Bitte gerne divers – aber nur wie es uns passt!
    Dabei gibt es den Welthumanistentag seit 1982, wie selbst die Wikipedia weiß:
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/21._Juni
    (Und noch eine kleine Korrektur: Sonnenwende ist heuer am 20. Juni um 22:52 Uhr, nicht am 21. Juni. Aufgrund der Tatsache, dass das (tropische) Jahr die krumme Zahl von 365,24219052 Tage lang ist und immer wieder mal Schalttage nötig sind, variieren sich die exakten Daten der Jahreszeiten im Kalender um ein paar Tage. )

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